Deutsche Automobilbranche 2024: Zwischen Kaufzurückhaltung und E-Mobilitäts-Skepsis
Aktuelle Marktlage zeigt deutliche Verunsicherung der Verbraucher
Die deutsche Automobilbranche durchlebt herausfordernde Zeiten. Laut dem aktuellen DAT Report 2025 der Deutschen Automobil Treuhand befinden wir uns im zweiten Rezessionsjahr, wobei die Automobilindustrie besonders stark betroffen ist. Die Unsicherheit auf Verbraucherseite ist deutlich spürbar und manifestiert sich in einer ausgeprägten Kaufzurückhaltung.
Individuelle Mobilität bleibt unverzichtbar
Trotz aller Diskussionen über alternative Mobilitätskonzepte zeigt die repräsentative Befragung ein eindeutiges Bild: Für 82 Prozent der deutschen Pkw-Halter ist das eigene Auto unverzichtbar, um die Mobilität im Alltag sicherzustellen (Quelle: DAT Report 2025). Diese Zahl ist seit 2020 sogar um sieben Prozentpunkte gestiegen.
Die emotionale Bindung zum Auto bleibt stark: 92 Prozent der Befragten sehen ihr Fahrzeug als elementar für Freiheit und Unabhängigkeit an, 86 Prozent macht das Autofahren Spaß (Quelle: DAT Report 2025). Gleichzeitig wächst aber auch die wirtschaftliche Sorge: 43 Prozent haben Angst, sich ihr Auto bald nicht mehr leisten zu können.
E-Mobilität: Hochlauf stockt deutlich
Besonders auffällig sind die Zahlen zur Elektromobilität. Der erhoffte Durchbruch bei Privatkunden blieb 2024 aus. Die Neuzulassungen von rein batterieelektrischen Fahrzeugen (BEV) sanken laut DAT Report um 27 Prozent gegenüber dem Vorjahr – ein deutlicher Rückgang nach dem Ende der staatlichen Förderprämie im Dezember 2023.
Die Skepsis in der Bevölkerung ist ausgeprägt: Nur 20 Prozent der Pkw-Halter halten die politische Weichenstellung einzig in Richtung Elektromobilität für richtig und wichtig. 62 Prozent sprechen sich dagegen für Technologieoffenheit aus (Quelle: DAT Report 2025).
Ein zentrales Problem: Drei Viertel aller Pkw-Halter (74 Prozent) sind noch nie selbst ein E-Auto gefahren und haben damit keine eigenen Erfahrungen mit der Technologie sammeln können (Quelle: DAT Report 2025).
Haupthindernisse für E-Auto-Kauf
Die Gründe gegen den Kauf eines Elektrofahrzeugs sind vielfältig. Bei den Neuwagenkäufern, die sich für einen Verbrenner entschieden haben, nennen laut DAT Report 42 Prozent die unausgereifte Infrastruktur als Hauptgrund, 41 Prozent die begrenzte Reichweite und 36 Prozent die hohen Anschaffungskosten.
Interessant: Erstmals liegt die Ladeinfrastruktur als Hinderungsgrund vor der Reichweite – ein Zeichen dafür, dass die Zweifel nicht mehr primär bei den Herstellern, sondern beim Ausbau der Ladeinfrastruktur liegen.
Gebrauchtwagenmarkt erholt sich leicht
Während der Neuwagenmarkt mit 2,82 Millionen Zulassungen marginal um ein Prozent zurückging, zeigte der Gebrauchtwagenmarkt Lebenszeichen: Mit 6,48 Millionen Besitzumschreibungen legte er um 7,4 Prozent zu (Quelle: DAT Report 2025, Daten: KBA).
Der Markenhandel konnte dabei nach Jahren des Rückgangs erstmals wieder Marktanteile gewinnen und kam auf 42 Prozent – ein Plus von fünf Prozentpunkten. Das durchschnittliche Preisniveau blieb mit 18.600 Euro aber nahezu unverändert zum Vorjahr.
Neuwagenpreise sinken erstmals
Eine bemerkenswerte Entwicklung: Nach Jahren kontinuierlicher Preissteigerungen sanken die durchschnittlichen Neuwagenpreise 2024 erstmals – um zwei Prozent auf 43.530 Euro (Quelle: DAT Report 2025). Besonders stark fiel der Rückgang bei Elektrofahrzeugen mit minus acht Prozent aus, was die Kompensationsbemühungen der Hersteller nach Wegfall der Umweltprämie widerspiegelt.
Wartungs- und Werkstattverhalten
Die Deutschen halten ihre Autos länger und investieren mehr in Wartung. Die durchschnittliche Wartungshäufigkeit stieg auf 1,03 Arbeiten pro Pkw und Jahr, die Kosten kletterten auf 389 Euro (Quelle: DAT Report 2025).
Das Durchschnittsalter der Fahrzeuge im Bestand liegt mittlerweile bei 9,5 Jahren – ein weiterer Anstieg um 0,3 Jahre. 77 Prozent der Pkw-Halter geben an, ihr aktuelles Auto länger fahren zu wollen, um die weitere Entwicklung der E-Mobilität abzuwarten (Quelle: DAT Report 2025).
Die Werkstatttreue ist mit 89 Prozent sehr hoch. Allerdings kritisieren viele Kunden die Terminverfügbarkeit – im Durchschnitt müssen Pkw-Halter 9,3 Tage auf einen Werkstatttermin warten.
Digitalisierung schreitet voran
Interessant ist die wachsende Bereitschaft zur Online-Buchung: 51 Prozent der Pkw-Halter würden einen Werkstatttermin online buchen – ein neuer Höchstwert (Quelle: DAT Report 2025). Beim Fahrzeugkauf bleibt der persönliche Kontakt aber entscheidend: Nur sieben Prozent der Neuwagenkäufer wickelten 2024 den gesamten Kaufprozess online ab.
Ausblick: Transformation braucht Zeit
Der DAT Report 2025 macht deutlich: Die Transformation der Automobilbranche vollzieht sich langsamer als von Politik und Industrie erhofft. Die Zurückhaltung der Verbraucher gegenüber Elektromobilität, die wirtschaftliche Unsicherheit und die hohen Fahrzeugpreise prägen das Marktgeschehen.
14 Prozent aller Pkw-Halter hatten 2024 einen Autokauf geplant, der dann aber nicht zustande kam – ein deutliches Zeichen für die anhaltende Kaufzurückhaltung (Quelle: DAT Report 2025).
Über den DAT Report: Der DAT Report wird jährlich von der Deutschen Automobil Treuhand GmbH erstellt und basiert auf repräsentativen Befragungen von über 4.600 Personen zu Autokauf und Werkstattverhalten. Die DAT ist als neutrale Dateninstanz seit 1931 von den Automobilverbänden VDA, VDIK und ZDK getragen.
Quelle: Deutsche Automobil Treuhand GmbH (DAT), DAT Report 2025. Weitere Informationen unter www.dat.de/report
Dieser Artikel verwendet Daten und Erkenntnisse aus dem DAT Report 2025 der Deutschen Automobil Treuhand GmbH. Alle verwendeten Statistiken sind entsprechend gekennzeichnet.

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